7. Oktober 2026 8:30 – 17:00 Uhr in der Sächsischen Landesärztekammer
Der Fachtag “Innerfamiliale sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche durch Erwachsene” widmet sich dem Thema sexualisierte Gewalt im familiären Kontext. Familien sind der häufigste Tatort sexualisierter Gewalt, gleichzeitig bleibt das Geschehen oft im Verborgenen und Betroffene über lange Zeit isoliert. Im Mittelpunkt stehen Fragen dazu, welche Erfahrungen Betroffene machen, welche Dynamiken familiäre Gewalt prägen und welche Aufträge und Herausforderungen sich daraus für Fachpraxis, Politik und Gesellschaft ergeben.
Die Teilnehmenden erwartet ein vielfältiges Programm aus Vorträgen, die das Thema aus Betroffenen-, Forschungs- und Fachperspektive beleuchten. An Thementischen und in Diskussionsrunden können die Inhalte vertieft und in die eigene berufliche Praxis übertragen sowie zentrale Fragen gemeinsam weitergedacht und diskutiert werden.
Unser Fachtag hat ein Vorprogramm. Wir laden Sie herzlich zum Film „Karla“ und einem anschließendem Filmgespräch in das Zentralkino Dresden ein.
Der Film erzählt die Geschichte der zwölfjährigen Karla, die im Jahr 1962 ihren Vater wegen jahrelangen sexuellen Missbrauchs anzeigt. Vor Gericht steht sie vor der Herausforderung, über das Unsagbare sprechen zu sollen ohne zu können – und besteht zugleich darauf, dass ihr geglaubt wird. Gemeinsam mit Richter Lamy sucht sie einen Weg, ihre Stimme zu behaupten und gegen Zweifel, Schuldzuweisungen und gesellschaftliches Schweigen anzukämpfen. Der Film basiert auf wahren Begebenheiten und verzichtet bewusst auf die Darstellung sexualisierter Gewalt; stattdessen rückt er die Perspektive und Selbstermächtigung des betroffenen Kindes in den Mittelpunkt.
Im Anschluss an die Vorführung besteht die Möglichkeit in einem moderierten Filmgespräch mit der Regisseurin und/oder der Produzentin des Films sowie Vertreterinnen der LAG SGPI zum Thema des Films ins Gespräch zu kommen.
Termin: 06.10.2026, 17.30 Uhr
Ort: Zentralkino Dresden, Kraftwerk Mitte 16, 01067 Dresden
Tickets: ACHTUNG - zur Planung der Kinosaalgröße ist es notwendig, dass wir dem Kino eine ungefähre Anzahl an Teilnehmenden mitteilen. Deshalb bitten wie Sie, in der Anmeldung anzugeben, ob Sie planen, am Vorprogramm teilzunehmen.
Der Erwerb der Tickets erfolgt direkt über das Kino. Am besten per Ticketreservierung unter https://zentralkino.de/kontakt/
Organisatorisches
Ort:
Sächsische Landesärztekammer, Schützenhöhe 16, 01099 Dresden
Kosten:
90 Euro regulär
75 Euro für Mitglieder LAG SGPI e.V.
50 Euro für Studierende/Auszubildende in sozialen Berufen (Kontingent von 5 Plätzen)
Zielgruppe:
Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe sowie der Eingliederungshilfe für Kinder und Jugendliche, Interessierte aus Politik und Verwaltung. Darüber hinaus sind weitere Fachkräfte, die mit Kinder und Jugendlichen arbeiten herzlich willkommen.
Anmeldung:
Hier können Sie sich über Eveeno anmelden.
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Angaben zur Barrierefreiheit:
Plenarsaal und Foyer sind ebenerdig erreichbar, im Foyer-Bereich ist eine rollstuhlgerechte Toilette vorhanden. Auch ist der Plenarsaal von oben erreichbar.
Im Haus 2 ist der Albert-Fromme-Saal ebenerdig erreichbar. Auch hier befindet sich direkt im Vorraum der Zugang zur rollstuhlgerechten Toilette. Der Übergang von Haus 1 zu Haus 2 ist ebenerdig ohne Stufen/Treppen möglich. Im Parkhaus gibt es 6 behindertengerechte Parkplätze. Auch vor dem Haus 1 gibt es 2 entsprechende Außenparkplätze.
Wenn Sie noch Fragen zur Barrierefreiheit haben und Unterstützung benötigen, um am Fachtag teilnehmen zu können, kontaktieren Sie uns bitte.
Programm
Programm:
Moderation: Katrin Schröter-Hüttich (ehemalige langjährige geschäftsführende Bildungsreferentin der LAG Mädchen* und junge Frauen* in Sachsen e.V., Mastercoach, Supervisorin)
8:30 Ankommen
9:00 Uhr Begrüßung und Grußworte
- Mitarbeiterinnen und Vorstand LAG SGPI
- Anne Pallas, Referatsleitung Referat 42, Sächsisches Staatsministerium für Soziales, Gesundheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt
- Felix Hitzig, jugendpolitischer Sprecher der CDU Fraktion im Sächsischen Landtag
9:30 Uhr Vortrag 1:
Tatort Familie – wenn zu Hause der gefährlichste Ort ist
Was bedeutet es für ein Kind, wenn es jeden Tag Angst davor haben muss, die eigene Wohnungstür zu öffnen? Was bedeutet es, wenn die eigene Mutter zur Täterin wird? Was macht es mit einem Menschen, kurz- und langfristig, wenn Überleben in der Kindheit an erster Stelle steht? Wenn man der Tatperson Tag und Nacht völlig ausgeliefert ist und die Schule nicht hinsieht?
In diesem Vortrag teile ich meine Geschichte als Betroffener und was ich mir von meinem Umfeld, von Schule und der Gesellschaft gewünscht hätte.
Referent: Noah Dejanović ist Mitglied im Betroffenenrat bei der UBSKM, „Student des Jahres 2025“, Kinderschutzaktivist und Lehramtsstudent. Er ist Betroffener von sexualisierter, physischer und psychischer Gewalt in der Kindheit durch seine eigene Mutter. Er hat das Projekt „Kinderschutz im Studium“ gegründet und hält bundesweit Vorträge an Universitäten vor pädagogischen Fachkräften, um sie für Misshandlung, Missbrauch und Vernachlässigung zu sensibilisieren.
10:00 Uhr Vortrag 2:
Sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche im Kontext der Familie: Zugänge und Erkenntnisse der Aufarbeitung.
In dem Vortrag geht es um Familien als Kontexte sexualisierter Gewalt in der Kindheit, deren Formen und Merkmale, Täter*innen und ihre Strategien, Ermöglichungsstrukturen und Verhalten des Umfeldes sowie Ansatzpunkte für Hilfen und Prävention. Grundlage sind Erkenntnisse aus der Aufarbeitung sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche in Familien in Deutschland sowie ausgewählte Forschungsergebnisse. Der Vortrag geht auch auf die gesellschaftliche Verantwortung und die Bedeutung des Zuhörens und Hinsehens ein.
Referentin: Marie Demant ist Erziehungswissenschaftlerin und arbeitet derzeit als wissenschaftliche Referentin für das Forschungsprojekt „Care Leaver Statistics“ bei der Internationalen Gesellschaft für erzieherische Hilfen. Sie war zwischen 2016 und 2021 im Rahmen der Begleitforschung zur Aufarbeitung bei Sabine Andresen an der Goethe Universität Frankfurt am Main tätig und ist Mitautorin der daraus hervorgegangenen Studie zu sexualisierter Gewalt in der Familie.
11:00 Uhr Pause
11:30 Uhr Vortrag 3:
Innerfamiliäre sexualisierte Gewalt – ein fachlich herausforderndes Thema
Trotz einer seit Jahrzehnten geführten Fachdebatte über innerfamiliäre sexualisierte Gewalt fühlen sich viele Betroffene bis heute nicht ausreichend unterstützt. Im Vortrag werden zuerst die vorliegenden Daten und Fakten präsentiert. Anschließend werden die Familiendynamiken beschrieben. Dabei geht es u.a. um die Eltern-Kind-Beziehung, die Geschwisterbeziehungen und die Ideologie der „heilen Familie“. Ein kurzer Exkurs widmet sich der sexualisierten Gewalt an Säuglingen und Kleinkindern. Abschließend werden die besonderen Herausforderungen bei der Intervention insbesondere für die Allgemeinen Sozialen Dienste diskutiert.
Referent: Dr. Dirk Bange war von 1992 bis 1996 hauptamtlicher Mitarbeiter bei Zartbitter Köln. Seit 1996 ist er wissenschaftlicher Angestellter bei der Freien und Hansestadt Hamburg in unterschiedlichen Funktionen. Seit Mai 2013 leitet er das Amt für Familie in der Behörde für Schule, Familie und Berufsbildung. Als Fachautor schreibt er zu verschiedenen Themen der Kinder- und Jugendhilfe insbesondere zum Kinderschutz.
12:30 Uhr Mittagspause
13:30 Uhr
Transfer: Thementische
Die Thementische bieten Raum für Austausch, Vertiefung und gemeinsame Reflexion. Anhand von Leitfragen haben die Teilnehmenden die Möglichkeit, die zuvor gehörten Inhalte miteinander zu besprechen, unterschiedliche Perspektiven zusammenzuführen, offene Fragen aufzugreifen und diese in Bezug zur eigenen beruflichen Praxis zu setzen.
14.30 Uhr
Vortrag 4: Schweigen und Verantwortung - Aufarbeitung sexualisierter Gewalt im familiären Kontext
Es braucht Aufarbeitung auf gesellschaftlicher, institutioneller und individueller Ebene. Kinder und Jugendliche, die sexualisierte Gewalt in der Familie erleben, finden oft nur schwer Hilfe und Personen, die Verantwortung übernehmen. Häufig wissen Familienmitglieder von der Gewalt, schweigen jedoch dauerhaft, um den äußeren Schein zu wahren.
Auch heute erwachsene Betroffene sind meist auf sich allein gestellt. Angehörige halten zum Täter oder zur Täterin, glauben den Betroffenen nicht oder verweigern eine Aufarbeitung. Anders als in institutionellen Kontexten fehlen im familiären Tatkontext häufig Ansprechstellen und Strukturen für Aufarbeitung.
Der Vortrag greift diese Inhalte auf und beleuchtet Perspektiven, Fragestellungen und Bedarfe zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in Familien.
Referentin: Angela Marquardt ist Mitglied im Betroffenenrat bei der UBSKM seit 2020, derzeit ständige Gästin in der Unabhängigen Kommission des Bundes zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs. Sie ist Autorin und hat Expertise u.a. zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt, zu politischen und gesellschaftlichen Prozessen der Betroffenenbeteiligung sowie zur Schutzkonzeptentwicklung in pädagogischen Kontexten.
15.30 Uhr Kaffeepause
16:00 Uhr
Fishbowl-Diskussion Schutzkonzepte in Familien
Im Rahmen einer Fishbowl-Diskussion soll die Frage, wie Schutzkonzepte im familiären Kontext gestaltet werden können, diskutiert werden. Während Schutzkonzepte in Institutionen zunehmend etabliert sind, gibt es für Familien bislang kaum fachliche Konzepte, Forschungsergebnisse oder gesellschaftliche Debatten.
Gemeinsam möchten wir Herausforderungen, Bedarfe und mögliche Perspektiven diskutieren: Was braucht es, damit Schutz auch im familiären Kontext gelingen kann? Welche Grenzen und Spannungsfelder zeigen sich? Und welchen fachlichen und gesellschaftlichen Debatten müssen wir uns künftig stärker stellen?
mit Vertreter:innen aus Betroffenen- und Fachperspektive und mit Ihnen
16:45 Uhr Verabschiedung
17:00 Uhr Ende
Sie benötigen Unterstützung?
Die LAG SGPI bietet selbst keine direkte Beratung für Betroffene und ihre Angehörigen an. Hier finden Sie qualifizierte Fachkräfte, die Ihnen persönlich oder anonym helfen.
Unsere Fortbildungsangebote finden Sie hier:
Aktiv werden gegen sexualisierte Gewalt – Ihre Spende ist ein aktives Engagement!
Diese Maßnahme wird mitfinanziert mit Steuermitteln auf Grundlage des vom sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes.
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